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Folge 12 - Mirsa

Herkunftsland und Erstsprache: Bosnien und HerzegowinaBosnisch

Studium in Deutschland: Masterstudium Elektrotechnik und InformationstechnikTechnische Universität Dortmund

Publikationsdatum: 02.09.2022Aufnahmedatum: 28.09.2021

Folgende Informationen wurden in der Folge erwähnt, hier finden Sie weiterführende Links dazu:

Transkript:

I: Wunderschönen guten Morgen aus Kassel oder aus virtuellem Raum. Ja, ich bin heute nicht allein, bei mir zu Gast, klar, wie immer, ist Mirsa. Und Mirsa kommt aus Bosnien und Herzegowina und ist uns gerade aus Dortmund zugeschaltet. Er studiert dort, bzw. ich muss sagen, hat studiert das Fach Elektro- und Informationstechnik auf Bachelor und auf Master. Ja und wie er uns schon verraten hat bzw. mir, er ist seit zwei Monaten fertig. Herzlichen Glückwunsch, Hallo Mirsa!

M: Hallo Irina, danke schön.

I: Na, wie geht´s dir?

M: Ja, ein bisschen müde am frühen Morgen sozusagen.

I: Okay, also sehr früh dran sind wir nicht.

M: Ja.

I: Du hast Elektro- und Informationstechnik studiert. Wir fangen da immer so an als Aufwärmphase. Nenne uns bitte fünf Schlüsselworte, die du mit diesem Fach verbindest.

M: Ich denke ein (unv.) Wort wäre da mathematisch, dann gibt´s Prozessorarchitekturen, Kraftwerke, SMD-Bauteile.

I: Wie? Nochmal SMD?

M: Genau, das sind kleine Bauteile, die man auf Platinen packt, vielleicht dann elektronische Stabilitätsprogramm, was in jedem Auto vorhanden ist.

I: Ich glaube, wir haben bereits fünf.

M: Dann passt´s.

I: Ja Danke schön. Klingt alles sehr technisch.

M: Ja.

I: Ja, wir werfen jetzt einen Blick zurück und schauen, wie alles angefangen hat. Wie bist du denn überhaupt nach Deutschland gekommen bzw. zum Studium nach Deutschland gekommen?

M: Ich habe da auch eine lange Vergangenheit mit Deutschland, meine Eltern haben auch früher hier gewohnt, während des Krieges unten im Balkan.

I: Okay.

M: Und ich bin auch hier geboren, in Velbert, aber wir müssen halt wieder zurück und meine Eltern haben mich mehr oder weniger in Anführungsstrichen deutsch aufgezogen.

I: Also du konntest bereits deutsch, als du dann zurück nach Deutschland kamst?

M: Da war ich noch ein bisschen zu jung, da war ich ein oder zwei Jahre alt, aber ich hatte deutsches Fernsehen und darüber habe ich dann auch die deutsche Sprache gelernt.

I: Im Heimatland deutsche Sprache gelernt?

M: Ja.

I: Klar.

M: Von früh auf.

I: Ja, und musstest du dann... Gab es sprachliche Voraussetzungen für das Studium?

M: Ja, ich denke bei jedem Studiengang in Deutschland wird mindestens ein C1 Goethe-Zertifikat verlangt oder ein TestDaF.

I: Genau, wenn man auf Deutsch studiert.

M: Genau. Wenn man auf Englisch studiert, dann meine ich A1 oder A2, also damit man sich zurechtfinden kann.

I: Und welche Prüfung hast du absolviert?

M: Ich habe das TestDaF-Zertifikat absolviert, weil es konkret fürs Studium gedacht ist. Ich meine, man kann damit nicht arbeiten, man kann damit studieren und deswegen ist es einen Ticken einfacher als das Goethe-Zertifikat, meiner Meinung nach jedenfalls.

I: Ja, also es gibt ja noch DSH, ne?

M: DSH2, Goethe, ÖSD.

I: Und Telc.

M: Ja, damit kenne ich mich nicht aus.

I: Okay. Und hast du das im Heimatland gemacht oder hier in Deutschland?

M: Ich hatte das im Heimatland gemacht, in Sarajevo konkret.

I: Das hat gut geklappt, ne, wie man sieht?

M: Ja, hoffe ich.

I: Und gab es noch andere formale Voraussetzungen? Wurde das Abitur dann akzeptiert?

M: Ich habe das Glück, dass in Bosnien ein ähnliches Schulsystem wie in Österreich vorhanden ist. Also ich habe sozusagen eine Matura gemacht und das wird auch hier in Deutschland angerechnet.

I: Anerkannt eins zu eins, ne?

M: Genau, das läuft jetzt über, wenigsten bei TU Dortmund läuft es über dieses uni-assist. Ich weiß nicht, ob die Zuhörer das schon bereits kennen. Die wandeln theoretisch, dass Abitur oder ein Sekundärabschluss im Heimatland ins deutsche Abitur um. Und dann kriegt man sozusagen die Hochschulzulassungsberechtigung.

I: Und würdest du im Nachhinein etwas anders machen, dieser Weg nach Deutschland oder war alles okay?

M: Ich bereue es gar nicht, hierher zu kommen. Der Weg war ein bisschen holprig, aber ich habe es trotzdem geschafft.

I: Und was war da holprig?

M: Ja paar Missverständnisse, wie zum Beispiel die TU Dortmund hat verlangt, dass ich meine Schulzeugnisse einreiche und bei uns unterscheidet man zwischen einem Schulzeugnis und Schuldiplom. Weil auf dem Schulzeugnis sind nur die Noten vorhanden und auf dem Diplom sind dann wirklich, steht da wirklich, ja „Der Herr/Frau hat das und das Gymnasium abgeschlossen" und dann habe ich das falsche Dokument eingereicht und dann hin und her gegangen und dann kam natürlich auch das Visum etwas später und ja.

I: Aber es ist gut, diesen Unterschied jetzt auch zu kennen und weiterzugeben, ne?

M: Ja, definitiv. Also kann man am besten alles einreichen, redundante Sachen schaden nicht.

I: Okay. Ja gut und dann hast du, wie gesagt, auf Bachelor und Master dein Fach studiert. Erzähl uns mal, was macht dein Fach aus, was sind die Schwerpunkte, was gibt es für Teilbereiche, für Module?

M: Also die Fakultät heißt Elektro- und Informationstechnik. Dann gibt es da nochmal im Bachelor zwei Studiengänge, nämlich wieder Elektro- und Informationstechnik und Informations- und Kommunikationstechnik. Das erste konzentriert sich eher auf diesen elektrotechnischen und informationstechnischen Teil, ergo nicht nur auf die einzelnen Fächer, sondern auch die Interaktion zwischen den beiden Fächern, weil es gibt auch paar Bereiche, die fließend übereinander gehen. Vielleicht gutes Beispiel wäre da die Hochfrequenztechnik, die sich sowohl mit den elektrotechnischen Teil beschäftigt, also mit dem Wellen und der Ausbreitung der Wellen, aber auch den informationstechnischen Sinn, wofür kann man diese Ausbreitung nutzen, beispielsweise Glasfasernetz. Und der informations-kommunikationstechnische Teil beschäftigt sich dann eher mit dem, ja, wie der Name schon sagt, IT und Kommunikationstechnik, ergo wie kann man denn z.B. dieses Glasfasernetz nutzen, um gewisse Protokolle aufzubauen, um Internet zu ermöglichen beispielsweise.

I: Geht es schon mehr Richtung Informatik, oder in dem Kommunikationsbereich?

M: Jein.

I: Jein?

M: Das, also das, was wahrscheinlich die Leute als Informatik sehen. Informatiker sind eher, geht eher vielleicht ins Mathematische.

I: Also hattest du keine Informatik als Fach? Musstest du nichts programmieren oder doch?

M: Doch, aber Informatiker beschäftigen sich eher mit Algorithmen und wir eher, wie wendet man diese Algorithmen im praktischen Sinne ein, um was zu erzielen.

I: Aber muss man sich in beiden Bereichen auskennen?

M: Ein bisschen Ja, also man muss auch wissen, was man da, was im Hintergrund abläuft. Das wird dann auch im ersten Semester gemacht.

I: Und was war dein Lieblingsbereich und warum?

M: Informationstechnik, also innerhalb des Bachelors konnte man sich wenigstens im Bereich Elektrotechnik und Informationstechnik nochmal drei, also man hat dann drei Schwerpunkte später: Informationstechnik, Energietechnik und Mikrosysteme, Mikro- und Nanosysteme und ich habe mich da in die Informationstechnik vertieft.

I: Und du hast gesagt, im ersten Semester gibt es dann Grundlagen. Wie war das erste Semester für dich? Wie war der Anfang? Ich weiß nicht, hast du im Heimatland auch bereits

M: Ja.

I: Studienerfahrung?

M: Mehr oder weniger. Ich habe einen Tag da studiert.

I: Einen Tag?

M: Weil, einen Tag, ich habe mich nämlich auch an der bosnischen Uni beworben. Wegen den ganzen Komplikation wollte ich nicht mein Studienleben riskieren und habe mir natürlich noch ein Backup gesichert. Aber das erste Semester hier war, obwohl ich an die deutsche Kultur gewohnt war durchs Fernsehen, durch meine Eltern, war es doch ein Kulturschock. Vielleicht, liegt vielleicht auch an der direkten Art des Ruhrpottes sozusagen.

I: Okay.

M: Dass die Leute ein bisschen direkter sind und ihre Meinung auch gerne äußern.

I: Hast du vielleicht ein Beispiel? Eine Situation?

M: Ja, ich weiß noch, wo wir mal saßen und ich habe mit meinen, einem deutschen Kumpel gequatscht und da meinte eine Freundin, ob wir mal bitte, leiser sein könnten, weil wir nerven.

I: Das wäre in Bosnien nicht möglich, ne?

M: Ja wie im Englischen, man sugarcoatet es, also man macht das, man drückt es ein bisschen schöner aus. Hier würde es aber direkt ausgedrückt.

I: Direkter, okay.

M: Und finde ich im Nachhinein nicht schlimm, ist vielleicht auch besser mal zu wissen, dass man auch vielleicht still sein sollte.

I: Bist du jetzt auch direkter geworden dadurch?

M: Ich denke, die bosnische Mentalität liegt doch ein bisschen in Blute noch, aber ich denke, ich bin direkter als ein normaler Bosnier, aber immer noch nicht so direkt als der Ruhrpottler.

I: Alles klar, ja dann zurück zum Studium. Und was ist dir schwergefallen? Oder gab es überhaupt einen Bereich, was dir schwergefallen ist?

M: Ich denke, die Fachbegriffe waren doch ein bisschen komisch dann, ich hatte nämlich auch Mathe und Physik Leistungskurse in Bosnien und als ich dann her kam, musste ich dann auch lernen, wie man die ganzen Sachen dann auch hier nennt. Manche Sachen waren, na ja, offensichtlich, wie Plus ist Plus, Minus ist Minus, hier auch. Manche Begriffe, wie z.B. Faktorielle, was überall gleich ist, nur in Deutschland nennt man das dann Fakultät, warum auch immer. Und ja, da gab es auch andere Begrifflichkeiten und, aber die lernt man dann durch, mit der Zeit, auch durch die Übungsaufgaben und Praktika und.

I: Gibt es noch eine Möglichkeit, das vor dem Studium zu lernen? Bietet TU Dortmund irgendwie so einen Vorbereitungskurs in der Fachsprache, weißt du das?

M: Nicht, dass ich das wüsste. Ich weiß, dass ein Vorkurs Mathematik gibt, aber der dient auch allen dazu sich, also dieses mathematische Wissen nochmal zu erfrischen.

I: Allen, also nicht nur internationalen Studierenden?

M: Genau.

I: Ja und welche Studienformen gab es? Gab es Vorlesungen eher oder Seminare oder beides oder Übungen?

M: Primär waren es Vorlesungen, die mit Übungen begleitet wurden, also in Bachelor konkret waren das fast alle Module 9 Creditpoints. Das entspricht dann zweimal die Woche Vorlesungen, á eineinhalb Stunden und dazu nochmal eineinhalb Stunden Übung pro Fach.

I: Und im Master war es genauso oder gab es da dann schon Schwerpunkteverschiebung?

M: Im Master, also im Bachelor, wegen der großen Studierendenanzahl konnte man nicht so gut mit dem Professor interagieren sozusagen. Und da war z.B. Übungsleiter eher der Anknüpfungspunkt und man hat dann mit dem Übungsleiter mehr Kontakt gehabt als mit dem Professor. Im Master ist es ein bisschen anders, je nachdem welches Modul man belegt. Ich hatte auch Module, wo es 30 Leute gab, aber ich habe auch ein Modul belegt, wo ich der einzige Studierende war und da ist die Betreuung halt

I: Der Einzige?

M: Ja, da war die Betreuung eins zu eins, besser kann es nicht sein und ich denke, Master ist eher, dann kann man auch mit dem Professor ein bisschen besser interagieren und sich da anknüpfen. Das ist der größte Unterschied, meiner Meinung nach.

I: Dann möchte ich noch zwei Sachen nachhaken, also Übungsleiter, waren das auch Studierende oder sind das Dozenten?

M: Das ist meistens unterschiedlich. Das können sowohl Studierende, also Bachelor- oder Masterstudierende sein, als auch Promovierende, seltenst Dozenten.

I: Hast du auch schon so eine Funktion übernommen oder so eine Rolle gehabt?

M: Ich habe Praktika geleitet. Also da, wo ich als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet habe, habe ich dann auch Praktika begleitet.

I: Jetzt haben wir ein weiteres Schlüsselwort, das gefallen ist, Praktika. Erzähl, sind das Pflichtpraktika gewesen oder Wahlpflicht oder, oder wie?

M: Im Bachelor sind es sowohl als auch. Da gibt es in den meisten Fächern Pflichtpraktika, die man auch bestehen muss, damit man zur Klausur, zur späteren Klausur zugelassen werden kann.

I: Was heißt „bestehen" bei einem Praktikum?

M: Dass man den Versuch erfolgreich absolviert hat, also man hat einen Versuch, der vorbereitet wird von den wissenschaftlichen Mitarbeitern.

I: Laborpraktika, meinst du?

M: Genau.

I: Okay, ich hatte jetzt an Praktikum in einem Unternehmen gedacht.

M: Ach so, Praktikum im Unternehmen, das ist einer unserer Studienleistungen, die wird mit 13 Creditpoints bewertet und man muss dann für 12 Wochen in ein Unternehmen einsteigen.

I: Das ist schon im Master, oder?

M: Das ist im Bachelor. Letztes Semester von Bachelor.

I: Im Bachelor?

M: Weil, meine Theorie, wenn man eine, wenn man keinen Hochschulabschluss hat, müssen die Firmen keinen Mindestlohn zahlen, für Pflichtpraktika und wenn man das im Master setzen würde, würden sich viele Firmen weigern, das zu machen, wenn man jetzt schon Bachelor hätte, deswegen macht man das im Bachelor, damit man den Studis das erleichtern kann ein bisschen. Die Vergütung der Praktika, die variiert je nach Unternehmen. Ich hatte Glück und hatte eine normale Vergütung. Die war etwas unter Mindestlohn, aber mehr als ausreichend für einen Studenten.

I: War immerhin eine Vergütung, ne?

M: Ja, ja, ich kenne auch Leute, die ohne Vergütung oder halt auf 450 Euro-Basis, eine 40-Stunden-Woche gearbeitet haben. Da gibt es aber reichlich Auswahl, würde ich sagen, von Firmen.

I: Muss man sich selbst drum kümmern oder wird man irgendwie

M: Ja.

I: Ja, selbst?

M: Manche würden sagen, dass es ein bisschen komisch ist, dass sich die Uni nicht kümmert, aber im späteren Berufsleben ist es auch nicht anders.

I: Stimmt.

M: Also die Uni bereitet auch jemanden akademisch als auch, ja mit Lebenserfahrung darauf vor für spätere Berufsleben. Und da ist halt so eine Bewerbung zu schreiben auch was, was man machen muss.

I: Also für das Praktikum muss man praktisch auch so eine Bewerbung schreiben wie auch für eine normale Arbeitsstelle.

M: Genau, genau. Da kann man sich allerdings wieder an Kommilitonen wenden aus einem höheren Semester, aus dem Bachelor vielleicht auch oder aus dem Master, die dann auch paar Hilfestellung bieten können, wo man das Praktikum absolvieren kann und wie deren Erfahrungen sind.

I: Ach so, d.h. die Zusammenarbeit mit Mitstudierenden auch aus höheren Semestern funktionieren ganz gut?

M: Ja, das geht auch gut durch die Fachschaft, die wir auch vorhanden haben.

I: Fachschaft, Fachschaft habt ihr auch?

M: Genau, die ist auch sehr aktiv.

I: Was macht so eine Fachschaft z.B.?

M: Also ich war auch seit dem dritten oder vierten Semester im Fachschaftsrat und wir kümmern uns z.B. für Orientierungsphase am Anfang jedes Wintersemesters für die Erstis, damit die auch einen Einblick kriegen, wie das Campusleben so funktioniert. Das ist sowohl für deutschsprachige, als auch für die internationale Studierende. Dann gibt es auch, Firmen kommen auf uns zu und dann und sagen: „Ja, wir haben hier so ein Hiwi-Job oder bieten auch Praktikumsstellen an", dann schicken sie uns eine Mail und wir schicken die dann an die Studis weiter. Wir organisieren auch dann, was weiß ich, früher gab es auch mal Partys, wie die Big Bang-Party hier am Campus oder Feuerzangenbowle mit einem Film dazu und so weiter und so fort. Also wir probieren dort ein bisschen Zusammenzubringen.

I: Jetzt in der Corona-Zeit ist es wahrscheinlich ein wenig einge... also nicht möglich gewesen.

M: Da haben wir aber auch probiert, die Leute zusammenzubringen über Discord-Server, über, auch kleinere Veranstaltungen, Spielerrunden online und so weiter und so fort, damit sich die Leute auch kennen lernen.

I: Entschuldige, was für ein Server?

M: Discord, das

I: Discord.

M: Ist so ein Spiele-Server, das kennen wahrscheinlich die Jugendlichen dann. Ich bin da auch nicht so gut. Ich bin auch nicht so ganz drin.

I: Ja, ja, wie war diese Corona-Zeit? Du hast ja praktisch deinen Abschluss in der Zeit gemacht, wie ich das richtig verstanden habe.

M: Ja und ich war nicht so ganz begeistert. Da ist vielleicht auch bisschen Kritik gedacht, weil man schwärmt so von Deutschland: „Ah, da ist so schön, alles gut", aber die technische Ausstattung, die mangelt hier, aber die wird von Zeit zu Zeit besser, weil ja, muss auch irgendwann sein und am Anfang war es holprig, aber jetzt gerade denke ich, dass die Professoren, Dozenten und die Studis sich auch ein bisschen daran gewöhnt haben und das auch auf dem Niveau gewachsen ist. Genau.

I: Ja, du hast schon viel erzählt aus dem Studium. Vielleicht noch eine letzte oder vorletzte Frage zu den Arbeitsformen. Wie geht man durch das Studium, entschuldige, eher allein, in Gruppe, hat man so eine Arbeitsgruppe oder einfach nur einen Partner, einen Kumpel oder wie auch immer? Wie war das für dich?

M: Ich habe jetzt auch z.B. die Gelegenheit auch, da ich an der Uni arbeite, darauf kommen wir vielleicht später zu, Klausuren zu korrigieren und da kann man auch vielleicht, man kennt, ich kenne auch die Studis durch die Praktika und ich kenne auch paar Leute, die eher in Gruppen arbeiten oder eher alleine. Ich würde auch jedem raten, sich eine Arbeitsgruppe zu suchen, weil in der Gruppe lernt man besser, dann lernt man, dann hat vielleicht jemand eine Frage, auf die ich vielleicht selbst nicht gekommen wäre, aber die ich vielleicht auch habe und dann steigert man sich in der Gruppe gegenseitig. Auch statistisch gesehen würde ich aus meiner Erfahrung sagen, das ist jetzt nicht wirklich, also ich habe keine Zahlen, die das belegen, dass die Leute, die alleine arbeiten, im Schnitt etwas schlechter abschneiden in Klausuren als die in der Gruppe.

I: Ja und das ist wahrscheinlich dann auch die Vorbereitung auf das Berufliche, ne? Man wird ja im Team arbeiten.

M: Genau.

I: Und war das einfach so Kommiliton:innen zu finden, auf die zuzugehen für dich am Anfang?

M: Nein.

I: Nein?

M: Das war, da ich auch ein bisschen später hergekommen bin, habe ich die Orientierungsphase verpasst. Ich hatte die Möglichkeit, es gibt noch eine, sozusagen eine Orientierungsphase für die internationalen Studierenden, die heißt dann Come2Campus. Da wird man mit anderen internationalen Studierenden zusammengetan und dann entdeckt man den Campus mit denen, aber die studieren nicht zwingend dann

I: Dasselbe Fach.

M: Genau. Und das hat mich ein bisschen Überwindung gekostet auch Leute anzusprechen. Das war auch dann, ich weiß noch, wo ich in der Mensa war, ich war dann alleine und ich hatte dann auch nichts zu verlieren. Ich habe dann einfach willkürlich Leute angesprochen, mit denen gequatscht und saß mit denen am Tisch und ich habe die danach nie wieder gesehen, aber

I: Ja, Mut gehabt.

M: Gelohnt. Ja es hat sich aber am Ende gelohnt. Ich habe dann auch einen Freundeskreis gefunden und der ist jetzt auch mehr oder weniger wie eine zweite Familie für mich hier.

I: Sehr schön. Wunderbar. Vielen Dank, dass du mit uns deine Erfahrungen geteilt hast. Hast du schon ein konkretes Berufsziel vor Augen? Du hast ja gesagt, du arbeitest als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

M: Genau.

I: In deinem Fachgebiet, Fachbereich?

M: Genau, ich strebe jetzt auch eine Promotion an, nächstes Jahr anzufangen am Arbeitsgebiet Bildsignalverarbeitung hier. Ja, wie der Name schon sagt, wir bearbeiten Bilder. Das kann sowohl in der Industrie angewandt werden, also z.B. Überwachung von Maschinen, wie die gerade laufen, über

I: über Bild

M: über die Kamera.

I: Ah okay.

M: Man überwacht es und durch sogenannte neuronale Netzwerke, Machine Learning, so, was jetzt gerade im Trend ist, wird dann erkannt, läuft alles gut oder eher schlecht. Und dann kann man vielleicht die Produktion stoppen, wenn irgendwas schief läuft. Was aber wir konkret hier machen ist dann planetare Wissenschaft also Bildern, Bildern, Bilder vom Mond, Merkur, Mars zu analysieren und vielleicht von Asteroiden.

I: Oh!

M: Ja, das gibt es auch

I: Auch in die Richtung

M: Ja.

I: Sehr spannend.

M: Ja, ist es auch.

I: Und nach der Promotion? Hast du da schon eine Vorstellung?

M: Konkrete Ziele nicht.

I: Oder ein Wunsch?

M: Auch nicht so ganz.

I: Klar.

M: Es hat Vor- und Nachteile, wenn alle Türen offen sind, weil Elektrotechnik ist überall vorhanden, sowohl in der Autoindustrie, was in Deutschland sehr gut vorhanden, also sehr breit ausgefächert ist, als auch in anderen Unternehmen wie, was weiß ich, Systemadministrator in einer Firma oder

I: Eigentlich in jeder Firma, ne?

M: Ja und das ist halt, wie gesagt, Fluch und Segen zugleich, weil man hat halt so viel Auswahl und dann kann man sich am Ende nicht entscheiden, wo man hingeht.

I: Und eine wissenschaftliche Karriere kommt für dich in Frage?

M: Ja, das ist auch ein Grund, warum ich jetzt, also ich will mir dieser Option noch freihalten, deswegen promoviere ich dann auch.

I: Ja, wir wünschen dir viel Erfolg.

M: Ja, danke schön.

I: Hast du vielleicht zum Schluss noch einen Tipp für die Nachfolger? Was sollen sie tun und was nicht?

M: Mein schwierigster Teil des Studiums war so, war tatsächlich die Zeit vor dem Studium, also nach dem Sekundärschulabschluss und vor dem Studium, diese Bewerbungsphase und Visumsantrag. Da würde ich allen raten rechtzeitig alle Dokumente zu beschaffen, so früh wie möglich, so früh wie möglich sich zu bewerben und am besten mehr zu schicken, als weniger, weil wenn mal was fehlt, dann hat man Probleme, aber wenn zu viel verschickt wird, dann kümmert es meistens die Bearbeiter nicht. Die legen das einfach zur Seite.

I: Ja. Weißt du, was mir noch eingefallen ist? Ich habe dich, glaube ich, gar nicht gefragt, wie bist du denn auf das Fach überhaupt gekommen? Wolltest du schon immer Elektrotechnik studieren?

M: Bei mir gingen die Wünsche hoch und runter. Ich wollte als Kind Paläontologe werden, dann Architekt und ich in der Schule war ich sehr matheaffin schon von Anfang an und mit Mathe hat man dann auch, wie schon gesagt, alle Türen schön offen eigentlich, also wenigstens im technischen Sinne und ich wusste echt nicht, ob ich was theoretisch oder praktisches machen möchte. Und die elektrotechnische Informationstechnik war da sozusagen best of both worlds. Man hat sowohl als auch theoretische und praktische Erfahrung kann man dann da sammeln und sich später auch auf eins von den beiden fokussieren oder auf eine Mischung von den beiden.

I: Und jetzt wie kommst du denn oder wie bist du auf TU Dortmund gekommen? Hast du dich noch woanders beworben?

M: Ja ich habe mich an der TU München noch beworben. Ich wollte mich da bewerben sozusagen, ist aber daran gescheitert, dass die da das uni-assist verlangt haben und an der TU Dortmund nicht.

I: Ach so.

M: Und das war mir ein bisschen holprig. Ich wusste, ich hatte keine Erfahrung mit dem Uni-Assist und da wir auch unsere Abschlüsse relativ spät bekommen, hatte ich auch keine Zeit, mich zu informieren und

I: Hast du dich vorhin erzählt, dass du die Dokumente praktisch an uni-assist geschickt hast?

M: Das hat, das muss man jetzt machen.

I: Ah, okay.

M: Das muss man jetzt machen. Zur meiner Zeit muss man das zum Glück nicht. Mein Bruder ist gerade auch in einer Bewerbungsphase, bzw. wird sich jetzt diese Woche hoffentlich einschreiben, der musste das machen und das war dann auch ein komplett neues Abenteuer für uns als Familie.

I: Alles anders.

M: Ja und da waren auch neue Fragen und ja.

I: Kommt er auch an die TU Dortmund?

M: Ja, der wird auch noch hierherkommen und das gleiche Fach studieren, wie ich.

I: Dann hat er ja das Vorbild und

M: Ja.

I: den Unterstützer und alles in einem.

M: Ja.

I: Ja, wie gesagt, vielen Dank. Hast du noch einen Tipp oder?

M: Ja noch ein kleiner Tipp, wer vielleicht, dass man immer hartnäckig ist. Das mögen vielleicht nicht alle Sachbearbeiter, sage ich mal, wenn die Telefone ständig klingeln, aber wer nicht fragt, kriegt keine Antwort. Und auch immer vielleicht gut zu wissen, man muss auch die richtigen Fragen stellen. Albert Einstein hat auch mal gesagt, ja, dass man Wahnsinn ist, wenn man das Gleiche tut und anderes Ergebnis erwartet. Ergo, wenn man die gleichen Fragen stellt immer, kriegt man auch immer die gleiche Antwort.

I: Da muss man präzisieren.

M: Genau. Das ist etwas, woran mein Bruder gehakt hat und vielleicht auch andere Probleme haben werden damit.

I: Alles klar. Ja, danke, dass du dabei warst, wie gesagt, das hat mich sehr gefreut mit dir ein Gespräch zu führen.

M: Ja, danke dir, dass ich dabei sein darf.

I: Genau, dann viel Erfolg und

M: Ja danke schön.

I: Bis dann, Ciao.

M: Bis dann, Tschüss.

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