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Folge 21 - Gabriela

Herkunftsland und Erstsprache: EcuadorSpanisch

Studium in Deutschland: Masterstudium MedienentwicklungHochschule Darmstadt

Publikationsdatum: 04.11.2022Aufnahmedatum: 20.10.2021

Folgende Informationen wurden in der Folge erwähnt, hier finden Sie weiterführende Links dazu:

Transkript:

I: So, hallo zusammen zu der nächsten Folge des Podcastes Mein Studienstart in Deutschland. Heute geht es um den Bereich Kultur und Medien und bei mir zu Gast ist Gabriela Bravo. Sie stammt ursprünglich aus Ecuador und hat bereits ihr Studium hinter sich. Sie ist eigentlich schon mitten im Berufsleben angekommen, aber nichtsdestotrotz möchte sie heute mit euch und mir ihre Erfahrungen teilen, hallo Gabriela.

G: Ja, hallo Irina und vielen Dank für die Einladung.

I: Ja, schön, dass du da bist. Vielen Dank auch! Du hast zum einen an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Kultur und Medienbildung studiert.

G: Genau.

I: Und zum anderen darauf aufbauend halt Masterstudium an der Hochschule Darmstadt im Bereich Medienentwicklung.

G: Genau.

I: Stimmt, ne? Wie lange ist es mit deinem Masterabschluss her?

G: Das ist inzwischen vier Jahre her.

I: Okay. Aber du bist immer noch in der Uni, ne?

G: Genau, ich bin hier geblieben.

I: Ja und bist tätig im Bereich Studienberatung und Onlineredaktion.

G: Ganz genau.

I: Das berichtest du uns noch, was du so alles Spannende machst. Bevor wir aber zu deinem Fach und Studium und deinem Job kommen, nenne uns bitte fünf Schlüsselworte, was eben dieses Fach Medienbildung, ähm, Medienentwicklung ausmacht.

G: Okay, das wären dann Onlinemedien, Kommunikation, Entwicklung, Digitalisierung und Konzeption. Das waren fünf, oder?

I: Genau, das waren fünf. Mal schauen, ob man auf das Fach kommt anhand von den fünf Wörtern. Wir werfen zunächst einmal einen Blick zurück auf, ja noch vor dem Bachelorstudio, wie alles angefangen hat. Warum bist du zum Studium nach Deutschland gekommen?

G: Ja, also ich hatte ja das Glück, dass ich ab meinem 13. Lebensjahr eine deutsche Schule besuchen konnte in meiner Stadt in Ecuador. Das war eine relative neue deutsche Schule und da habe ich Deutsch als Zweitsprache sogar gelernt, also nicht als Fremdsprache, sondern als Zweitsprache. Und wir hatten auch die Möglichkeit, dass wir in der 11. Klasse, war das meine ich, einen Schulaustausch machen mussten, als Teil der Schule quasi und da waren wir zwei Monate in Deutschland wurden in kleinen Gruppen aufgeteilt und ich hatte da die Möglichkeit Deutschland zum ersten Mal zu sehen, die deutsche Kultur kennenzulernen und mich auch ein bisschen zu verlieben, würde ich sagen, in dieses Land und die Kultur und dann habe ich ganz schnell gemerkt, okay, ich möchte auf jeden Fall zurück und ich werde alles dafür tun, damit ich hierher zurückkomme und dann auch für eine längere Zeit, weil ein Jahr wird mir wahrscheinlich nicht reichen, die zwei Monate waren ja auch schon zu wenig gewesen. Und dann bin ich zurück nach Ecuador nach dem Austausch und habe dann natürlich recherchiert und geguckt, was könnte ich machen und habe dann entschieden, dass ich ein Studium in Deutschland machen möchte und ja, so bin ich dann letztendlich nach Deutschland gekommen.

I: Und in welcher Stadt warst du da beim Austausch?

G: Ich war in der Nähe von Ulm, Weißenhorn heißt die Stadt, das ist ganz klein, kennen vielleicht nicht alle, aber es war eine sehr schöne Gegend, gerade auch diese Zwischenlage zwischen Baden-Württemberg und Bayern, das hat mich total begeistert, also ich habe ziemlich viel von Schwabenländle mitbekommen können, aber auch von der der bayrischen Kultur, ja.

I: Und wie bist du dann auf Ludwigsburg gekommen? Hast du dich dann beworben für dein Bachelorstudium? Nur da oder?

G: Genau, ich habe mich tatsächlich auch nur für Ludwigsburg beworben. Im Nachhinein war das vielleicht ja zu krasses Pokern, aber es war so, dass ich, ja eigentlich nach geeigneten Fächern für mich gesucht habe und ich war zu Beginn meiner Schulzeit immer ziemlich begeistert für den Bereich Schauspiel, Theater, Kultur, Literatur, also das waren so meine Fächer, Spanisch war eins meiner Lieblingsfächer, Schreiben, lag mir sehr am Herzen und ich wollte unbedingt im kulturellen Bereich, aber auch alles, was das umfasst, tätig werden. Ich wollte zumindest da reinschnuppern und dann habe ich nach passenden Studiengängen recherchiert. Ich hatte da die Hilfe von einer wundervollen Lehrerin in der Schule, die sich mit mir zusammengesetzt hat und mitrecherchiert hat. Wir sind auf diesen Studiengang gekommen und ich sagte: „Okay, wow, das sind wirklich so gut, wie alle Schwerpunkte vertreten, die ich mal gerne mir anschauen möchte." Also da war mal Theater und Literatur, Film und digitale Medien und man könnte dann auswählen und ich sagte: „Okay, das ist deckt so zumindest alles ab, was ich gerne so lernen möchte, studieren möchte." Also habe ich mich da beworben und das wurde auch tatsächlich nur in Ludwigsburg angeboten. Es gab ein paar ähnliche Studiengänge deutschlandweit, aber mit dieser Kombination und auch der Auswahl von den Schwerpunkten habe ich das nur in Ludwigsburg gefunden. Von daher habe ich da meine Entscheidung getroffen, mich dort zu bewerben und da ich ja als ausländische Studentin quasi eine andere Quote untergefallen bin, hatte ich dann eher Chancen. Ich war auch die einzige internationale Studentin in meinem Fach.

I: Ah, die Einzige! Ja und musstest du dann auch nachweisen, dass du Deutsch kannst oder durch diese Schule muss man das nicht mehr.

G: Also das Schöne an dieser deutschen Schule ist, dass man ja Deutsch als Zweitsprache lernt und darin die Möglichkeit hat, auch schon mal so ein gutes Zertifikat zu erwerben während der Schulzeit. Das ist das Deutsche Sprachdiplom von der Kultusministerkonferenz und nach meinem Aufenthalt in Deutschland war ich dann dran mit der Prüfung dafür und habe mich auch so vorbereitet, weil ich wusste, damit habe ich auch bessere Chancen tatsächlich in Deutschland zu studieren. Das war also mein Hauptziel an die Deutschkenntnisse dann letztendlich zu kommen und es reicht ja nicht, wenn man gut sprechen kann, sondern man muss es ja auch mit irgendeinem Papier nachweisen können.

I: Genau.

G: Und ich hatte als Ziel B2 zu absolvieren. Das hätte zumindest ausgereicht und mich zu bewerben. Aber ich habe zum Glück C1-Niveau geschafft und das war auch schon mal ausreichend für den Studienbeginn. D.h. mit meinem Sprachdiplom habe ich mich dann auch beworben und auch mein Visum bekommen für das Studium in Deutschland.

I: Also gab es noch weitere Voraussetzungen? Man kennt es ja von so künstlerischen Studiengängen, dass man noch irgendwelche Portfolios einreichen muss, aber gut, hier ist es sehr breit aufgestellt. Musstest du noch was?

G: Also für mein Bachelorstudium musste ich nichts Weiteres machen. Für einen Masterstudiengang jedoch bei der Bewerbung, da musste ich so eine Art Exposé schreiben zu einem Thema im Medienbereich, was ich gerne im Rahmen meines Studiums irgendwie aufarbeiten würde. Also es war beispielhaft, ne, und da habe ich mir so ein Thema ausgesucht und da ein Exposé geschrieben und das eingeschickt. Das war eine Voraussetzung. Für einen Bachelorstudiengang habe ich tatsächlich nichts Weiteres einreichen müssen.

I: Und jetzt zum Master: Wie kommst du dann zu der Hochschule Darmstadt?

G: Ja, also ich habe ja mein Studium in Kultur- und Medienbildung abgeschlossen und hatte dann quasi zwei Möglichkeiten, weil ich die Schwerpunkte Theater und Literatur hatte und dann Film und digitale Medien. Ich hatte die Option, entweder im kulturellen Bereich wieder nachzugehen im Masterbereich oder eben zu sagen, ich steige um zu dem medialen Bereich und das war dann auch meine Entscheidung. Ich habe nach Studiengängen im Medienbereich gesucht, Masterstudiengänge und bin dann auf Darmstadt gekommen. Ich hatte nicht viel von Darmstadt gehört davor, aber eine Mitbewohnerin damals hat mir gesagt: „Ja, doch, Darmstadt ist eine schöne Stadt und ich habe gehört, die Hochschule dort ist auch ganz gut“, also habe ich dann mir nochmal diesen Studiengang angeschaut und es war tatsächlich auch wieder eine Wahl des Studiums und nicht des Standortes für mich, weil ich dann schon ziemlich genau wusste, was will ich und dann auch gedacht habe: „Okay, das passt zu mir, dann nehme ich genau diesen Studiengang" und die Option wäre ansonsten in Ludwigsburg zu bleiben und Kulturmanagement zu studieren, aber ich wollte dann zum Medienbereich umsteigen.

I: Ja, und genau, dann bist du in Darmstadt angekommen und hast eben dieses Fach studiert. Was hat denn dieses Fach ausgemacht? Was kann ich mir unter Medienentwicklung vorstellen? Ist das dann mehr, also ist das schon programmieren?

G: Nein.

I: Nein, okay.

G: Es ist auf jeden Fall nicht programmieren. Aber es ist ziemlich, es hat ziemlich viel mit Content zu tun, also Medienentwicklung baut auf journalistische Kenntnisse, aber auch auf Kenntnisse im Bereich PR oder Kommunikation auf, verbindet quasi die Vorkenntnisse aus den Studiengängen Online-Kommunikation und Online-Journalismus der Hochschule Darmstadt. Das wusste ich natürlich erst, als ich angefangen habe. Ich war, glaube ich, eine der einzigen Personen, die so ein bisschen als Quereinsteigerin zum Studiengang gekommen ist, weil die meisten tatsächlich an der HDA studiert haben und darauf aufbauend diesen Master als Studiengang gemacht haben. Ich hatte aber im Vorfeld gefragt, ob ich mit meinem kulturellen medialen Background auch dazu passe und ich hatte eine positive Antwort da bekommen, denn es geht viel mehr um die Entwicklungen im medialen Bereich: Also, was gibt es denn für Plattformen, für Kanäle, Medienkanäle, die Menschen heutzutage nutzen? Was macht diese Nutzung mit uns? Wie sind diese Plattformen, diese Medien überhaupt geplant? Wie kommen sie zustande? Was könnte man eventuell auch verbessern, um nutzerfreundlicher zu werden? Worauf muss man auch achten, wenn man solche Entwicklungen hat eben auch in einem bestimmten Unternehmen oder wenn man auch eine neue Plattform erschafft quasi. Also es ist ziemlich viel auch Analyse, Recherche und Nachdenken über das, über den Zusammenhang Mensch und Medien.

I: Genau, was Medien mit uns machen und was wir mit Medien machen.

G: Genau.

I: Sehr spannend. Und was waren so genau die Module zum Beispiel? Nenne uns ein Paar.

G: Also wir hatten tatsächlich Module, die viel mehr mit Kommunikation zu tun hatten, mit Analyse. Wir hatten auch sogar mal Module oder ein Modul meine ich, indem wir auch tatsächlich mit Statistik zu tun hatten und wir uns auch anschauen mussten: Wie sieht es dahinter aus? Also der Konsum von den Medien aus und was könnte man daraus leiten als Schlussfolgerung. Wir hatten aber hauptsächlich auch redaktionelle Themen und vor allem auch sehr viel Praktisches. Vor allem haben wir so echte Situationen aus dem Berufsalltag bei uns simuliert. Also wir hatten so eigene Redaktionssitzungen oder wir haben in Gruppen so eine Art Redaktion nachgebaut quasi, in der wir dann uns so die Aufgaben tatsächlich aufgeteilt haben, wie wir das auch später im Beruf machen würden. Von daher war das sehr praktisch, dass wir das, was ich auch tatsächlich am meisten geschätzt habe und es gab natürlich auch ein paar Module oder Veranstaltungen, da mussten wir uns auch zu bestimmten Themen etwas überlegen und dazu Content erstellen, also entweder Texte oder Videos oder andere Medienmöglichkeiten.

I: Also auch schon tatsächlich Medienarbeit, indem verschiedene Tools kennenlernen und schauen, wie die funktionieren, ne?

G: Genau.

I: Und was war dein Lieblingsbereich? Oder hast du wahrscheinlich schon

G: Mein Lieblingsbereich war eigentlich alles, was rund auch ein bisschen um Journalismus sich gedreht hat, weil man dort auch ziemlich oft über bestimmte Themen diskutiert hat. Also wir hatten so an einem Wochentag irgendwie so eine Art Newsredaktion und da haben wir uns die aktuellen Themen aus den News ausgesucht, aus den Nachrichten und haben sie wieder vorgestellt. Also wir haben dazu ausführlich recherchiert und jedes Mal war jemand anders dran und dann hat man sich halt mit einem Thema sehr stark beschäftigt und hat das auch so präsentiert, wie man das vielleicht auch in einem, später in einer Redaktion machen würde, ja. Also das das fand ich sehr, sehr spannend und es war eine tolle Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen aus den Medien und es war aber tatsächlich eher so im journalistischen Bereich und ich habe hier eigentlich keinen journalistischen Background, aber es hat trotzdem total Spaß gemacht, also das war mein Lieblings...

I: Und merkst du jetzt so Überschneidungen in deiner Tätigkeit bei der Online-Redaktion? Machst du da auch sowas ähnliches?

G: Ja, also tatsächlich schon. Es geht immer darum, die aktuellen Themen zu finden, jetzt bei uns, auf uns bezogen im Hochschulbereich natürlich, also wir sind die ganze Zeit am überlegen: Was beschäftigt unsere Studierenden? Was gibt es denn für Neuigkeiten aus der Hochschule für sie und wie können wir diese auch kommunizieren, ja? Auf welcher Seite veröffentlichen wir das, auf welchem Kanal? Weil wir haben jetzt auch als Hochschule Darmstadt soziale Netzwerke, auf denen wir vertreten sind und da bin ich auch in der Social Media-Redaktion mit tätig mit anderen Mitarbeitenden, das ist so eine bereichsübergreifende Redaktion, die sich aus Hochschulkommunikation und so ein Servicecenter zusammensetzt. Und von daher sind wir immer dabei uns auszutauschen: Was ist aktuell los und wo und wie möchten wir das an unsere Studierenden weitergeben? Also das, was wir im Studium gemacht haben, war tatsächlich ein sehr gutes Training für das, was ich jetzt auch schon mache.

I: Das ist schön, wenn es passt. Du hast schon einiges erzählt, aber was waren so vielleicht die Haupttätigkeiten? Musstest du viel lesen, schreiben? Also recherchieren hast du gesagt, präsentieren. Gehört lesen und schreiben auch dazu als

G: Ja.

I: Ja?

G: Definitiv, also ich musste sehr viel lesen und auch tatsächlich sehr lange Texte teilweise.

I: Also wissenschaftliche Ausführungen oder?

G: Ja.

I: Auch journalistische?

G: Beides, also viele wissenschaftliche Texte, Aufsätze, aber auch dann journalistische Texte, natürlich je nach Fach. Ich musste auch schon in Bachelorstudium sehr viel lesen, also in dem Bereich wird auf jeden Fall viel gelesen, es wird aber auch selbst viel geschrieben. Ich musste auch ziemlich viele Hausarbeiten verfassen. Wir hatten viel mehr Hausarbeiten als Prüfungen. Also ich weiß, dass im Bachelorbereich zum Beispiel, um Module abzuschließen, hatte ich glaube ich wirklich eine Mehrheit an Hausarbeiten, als Prüfungen und im Master habe ich noch nie eine Prüfung geschrieben, ich habe nur Hausarbeiten geschrieben und größere Arbeiten auch. Also es war schon sehr umfangreich der Schreibanteil. Und man muss natürlich auch recherchieren und viel diskutieren und auch bereit sein, sich selbst zu präsentieren, also vor verschiedenen Menschen, vor vielen Menschen zu stehen und über ein Thema zu sprechen. Wir haben ziemlich viel vorgetragen.

I: Und gab es auch Pflichtpraktika oder einfach praktische Phasen?

G: Ja. Im Bachelor hatte ich ein Pflichtpraktikum schon mal. Das war auch eine Hochschule und Master war auch in einer Hochschule. Das ist oft so, dass man in Hochschulen oder das Teil des Hochschulstudiums ein Pflichtpraktikum ist. Im Masterbereich musste ich auch nämlich ein Pflichtpraktikum absolvieren. Das war im dritten Fachsemester, kurz vor der Masterarbeit.

I: Aber was meinst du mit der Hochschule? Also du hast innerhalb einer Hochschulen ein Praktikum gemacht?

G: Also mir ist bekannt, dass Hochschulen ja auf Pflichtpraktikum bestehen als Universitäten. Genau, ja.

I: Ach so, das meinst du. Als Universitäten, jetzt verstehe ich. Und wo hast du dieses Praktikum gemacht?

G: Genau. Wo ich mein Praktikum gemacht habe?

I: Im Unternehmen?

G: Also normalerweise macht man dieses Praktikum im Unternehmen. Das kann man sich aussuchen. Bei mir war das so, ich bin ja schon während meines Studiums, war ich an der Hochschule tätig und dann habe ich auch mein Praktikum an der Hochschule gemacht. Ich hatte da tatsächlich auch von dem Professor so ein tolles Projekt erhalten, war ich betreuen durfte innerhalb eines Semesters für den Bachelor Online-Journalismus und das hatte ziemlich viel mit Konzeption und Entwicklung auch einer Plattform zu tun und Contenterstellung für diese Plattform, deswegen hat das auch sehr gut zu meinem Studium gepasst und ich hab das dann als Praktikum gemacht.

I: Das klingt alles so nach Erfolg, nach einem gut strukturierten und von deiner Seite auch gut bestandenem Studium, Aber hattest du auch Schwierigkeiten und wenn ja in welchen Bereichen?

G: Doch. Ich würde sagen das war nicht alles so erfolgreich, wie sich das vielleicht anhört und würde man sich eventuell meine Noten anschaut von Studium würden das bestätigen.

I: Okay.

G: Aber es ging mir ja auch nicht um die Noten, sondern um die Kenntnisse und um die praktischen Kenntnisse, vor allem die man während des Studiums erlangt hat. Ich hätte hauptsächlich Schwierigkeiten vor allem zu Beginn, würde ich schon sagen, mit der Sprache, weil die Fächer, die ich ja gewählt habe, sehr sprachorientiert sind. Also ich habe ja gesagt, man ist viel am Lesen, Schreiben und selbst Präsentieren, d.h. das ist nicht unbedingt für jemand, der sich noch ziemlich unsicher ist mit der Sprache oder da muss man relativ schnell hineinwachsen und wissen, dass man eben dadurch muss, ne? Also die Texte, die wissenschaftlichen Texte, die waren für mich was komplett Neues. Ich habe ja davor nichts anderes studiert, um zu wissen, wie das so ist zumindest und die Sprache in den wissenschaftlichen Texten hat mir echt Probleme bereitet, weil ich ja erstmal versucht habe, alles sprachlich zu verstehen, dann inhaltlich, also war ich doppelt am Lesen quasi und dadurch kommt man natürlich auch in Zeitdruck, ne? Und ich muss ja auch dazu sagen, ich bin vielleicht nicht die organisierteste Studentin gewesen, von daher war ich auch oft am Nachfragen bei meinen Kommilitonen und Kommilitoninnen: „Hey, wie war das nochmal? Bis wann müssen wir das einreichen?" Also ich hatte auch tatsächlich ein paar Probleme mir Sachen zu merken. Das lag vielleicht auch daran, dass ich allgemein diese Unsicherheit hatte, mache ich jetzt alles richtig und habe ich das alles richtig verstanden, auch was mit der Sprache zusammenhängt.

I: Und welche Strategien hast du da Richtung Wissenschaftssprache entwickelt? Das ist vielleicht noch interessant. Wie hast du das gemeistert?

G: Ja, also ich habe einfach mal mir die Zeit genommen. Also oft stand ich viel unter Druck und habe auch gemerkt, es war vielleicht zu spät, zwei Abende davor mit dem Text zu beginnen oder den Text zu lesen, das wäre vielleicht zu wenig. Dann habe ich versucht irgendwie zeitnah, nachdem die Aufgabe mitgeteilt worden ist, schon mal damit zu starten, damit ich zumindest Zeit hatte, einmal den Text zu lesen, einfach so und dann noch einmal, aber dann wirklich fokussiert quasi und dann Markierungen machen, Notizen machen, wenn man ein Wort nicht versteht, wenn man nicht jedes Wort versteht, ist es nicht schlimm, aber ein Wort fehlt, um den ganzen Kontext zu verstehen, dann sollte man nach dem Wort nachschlagen und gucken, was ist es und was ist der Zusammenhang dieses Wortes im ganzen Text. Das würde ich auf jeden Fall empfehlen.

I: Und beim Schreiben von Hausarbeiten war wahrscheinlich ähnlich am Anfang?

G: Ja, beim Schreiben war die Unsicherheit umso größer, weil das war ja mein eigenes Werk quasi. Ich habe immer drei-, vierfach geguckt, dass alles stimmt, aber natürlich habe ich Fehler gemacht, vor allem grammatikalische Fehler und ich hatte eigentlich auch zu Beginn nicht wirklich darüber nachgedacht, ne? Aber da muss ich sagen, meine Freunde waren die allerbesten Freunde, die man sich wünschen kann und für sie bin ich total dankbar, weil sie haben sich sehr oft meine Texte danach angeschaut, also, dass, wenn man sehr gute Freunde hat, natürlich will man das nicht überstrapazieren, aber es gibt Leute, die wirklich bereit sind, sich die Texte von einem durchzulesen und auf kleine Fehler aufmerksam zu machen. Solche Leute hatte ich. Wenn man aber nicht die Chance hat, so tolle Freunde auszunutzen quasi, wenn man diese Chance nicht hat, dann gibt es auf jeden Fall Tools, auf die man zugreifen kann. Es gibt von Duden ein wundervolles Übersetzungstool bzw. so eine Art Mentor nennt sich das, der Duden-Mentor, der auch Texte von einem durchliest und auch grammatikalische Fehler erkennt, gibt es auch, das wäre dann der Ersatz für den besten Freund oder beste Freundin.

I: Und wie war das so, beste Freunde oder auch Kommiliton:innen kennenzulernen, war das für dich relativ einfach?

G: Also im Bachelor muss ich sagen, war das relativ einfach, dadurch, dass wir alle im Studium eingestiegen sind gleichzeitig oder die meisten zumindest. Es gab ein paar ältere Personen, die vielleicht was davor schon gemacht hatten, aber die meisten von uns waren komplett neu in dieser Hochschulatmosphäre, in diesem Hochschulleben und haben uns dadurch dann, wir haben dann die Gemeinsamkeiten gefunden ziemlich schnell und uns dadurch zusammengefunden. Es war auch für mich etwas einfacher, sagen wir so, meine Deutschkenntnisse zu verbessern, dadurch, dass ich die einzige internationale Studentin in dem ganzen Jahrgang war, musste ich, also ich war dazu gezwungen nur Deutsch zu sprechen. Ich hatte ja auch nicht mal jemanden aus Südamerika, der mit mir irgendwie Spanisch gesprochen hat, also es war wirklich Deutsch. Das war ein Vorteil für mich in dem Fall in den ersten Semestern, dass ich ziemlich schnell dann auch mein Deutsch verbessert habe und mich etwas sicherer gefühlt habe und dadurch aber auch tolle Freundschaften geschlossen habe, die ich tatsächlich bis heute noch habe.

I: Ja, also wenn jemand Angst hat, dass er oder sie allein als internationaler oder internationale Studierende ist, also würdest du sagen, dass es, kann sogar ein Vorteil werden?

G: Ja, es kann auf jeden Fall zum Vorteil genutzt werden.

I: Und gab es viele Gruppenarbeiten, Gruppenphasen im Studium?

G: Ja.

I: Im Masterstudium?

G: Sehr viele und manche wurden zugeteilt, manche andere könnte man sich aussuchen, von daher je nachdem, mit welchen Menschen man sich gut verstanden hat, schon mal zu beginnen, war das dann sehr gut möglich, dass man auch während des Studiums nochmal diese Kontakte weiter ausbaut, ne, und dass man mit denen zusammenarbeitet in vielen Projekten.

I: Hast du noch Kontakt zur ehemaligen Studienkommiliton:innen?

G: Ja, tatsächlich, also vom Bachelor-Bereich vor allem habe ich zu meinen besten Freunden von dort auch. Wir haben immer regelmäßige Treffen oder schreiben immer wieder. Also die behalte ich auf jeden Fall. Wir haben uns in diese Aufbruchsphase kennengelernt, also in dem Studieneinstieg und das hat uns sehr, sehr zusammengeschweißt, muss ich sagen.

I: Gab es auch irgendwie eine Fachschaft, eine Unterstützung von der Fachschaft, von den älteren Semestern, also von Studierenden älterer Semester?

G: Die gibt es auf jeden Fall. Ich habe sie aber nicht in Anspruch genommen. In Bachelor war ich für eine kurze Zeit im AStA selbst im Referat Kultur. Da habe ich ein paar Veranstaltungen mitorganisieren dürfen. Das fand ich sehr, sehr spannend, aber ich habe selbst die Angebote von einer Fachschaft nicht wahrgenommen, auch wenn ich wusste, es gibt eine. Ich habe das einfach nicht gebraucht, dadurch, dass ich alle Fragen an meine Freunde direkt stellen konnte oder aber auch den Kontakt so direkt zu den Dozenten hatte. Also ich konnte wirklich auch bei Fragen mich immer an den Professoren oder Professorinnen wenden. Das war für mich auch der kürzeste Weg erstmal und hätte ich ein Problem gehabt, hätte ich aber gewusst, dass ich dann auch an diese Instanz gehen kann, wie eine Fachstelle, auf jeden Fall. Was ich während des Bachelors benutzt habe sehr oft, war die Beratung für internationale Studierende, das war es eine zentrale, also es war Teil auch des Student Service Centers, meine ich mal in Ludwigsburg, es war also ein zentrales Angebot und da ich immer wieder Fragen zum Thema auch Aufenthaltsrecht hatte wegen meiner Aufenthaltserlaubnis, bin ich oft dahin gegangen und war immer beruhigt, wenn ich dort gewesen war, weil ich dann einfach jemand hatte, der mir die Sachen erklärt hatte und das war sehr, sehr hilfreich. Es war eine Riesenentlastung, muss man sagen.

I: Ja und jetzt hast du das Rad praktisch gedreht und jetzt bist du in der Studienberatung.

G: Genau.

I: und bietest Hilfe denjenigen, die unsicher sind oder vielleicht Probleme haben. Würdest du uns eventuell verraten, was sind die häufigsten Probleme oder Schwierigkeiten, mit denen die Studierenden zu dir in die Beratung kommen?

G: Ja also ich habe eine ganz große Empathie für alle internationalen Studierenden, die zu mir in die Beratung kommen, weil ich das ja auch in meiner eigenen Haut gespürt habe, wie es ist, in einem fremden Land zu sein und versuchen sich zurechtzufinden, von daher gibt es sehr viele Probleme, die organisatorischer Natur sind, also zuerst das Thema Ankommen überhaupt, was mache ich zuallererst, wie finde ich mein Bankkonto und wie kann ich dann mich quasi in der Stadt anmelden und wie läuft das überhaupt mit der Aufenthaltserlaubnis? Das sind so Probleme zu Studienbeginn momentan und es gibt aber auch viele Studierende, die aufgrund von Problemen während diese Einstiegsphase es vielleicht nicht wirklich geschafft haben, tatsächlich anzukommen im Studium und die ein paar Semester, könnte man sagen, darin verloren haben, sich überhaupt zu orientieren. Es gibt auch viele Studierende die versuchen, so wie ich das gemacht habe, zu Beginn alles nach Plan zu machen, also sechs Module pro Semester, 30 Credit Points immer einfach alles nach dem Plan und dann haben sie aber vielleicht drei von den sechs Modulen nicht bestanden und kommen dann in Schwierigkeiten durch Wiederholungsprüfungen. Aufgrund von sprachlichen Schwierigkeiten könnte es auch sein, dass sich Unsicherheiten oder sogar Ängste ergeben während des Studiums. Das kann ich auch selbst sehr gut nachvollziehen und verstehen. Das sind so häufige Probleme, die vorkommen.

I: Und hattest du so auch Erfolgserlebnisse, die dann nach drei Jahren zu dir kommen und sagen: „Oh, schön, dass du damals mir das und das empfohlen hast?"

G: Ja, also ich bin tatsächlich noch nicht so lange da, dass ich jemand komplett vielleicht durch das Studium begleitet habe, also manche schon, ich hatte aber schon Erfolgserlebnisse tatsächlich von Studierenden, die auch oft Ängste, verbunden auch mit der Ausländerbehörde hatten oder zum Thema Aufenthaltsrecht und die Angst hatten, dass sie vielleicht die Aufenthaltserlaubnis nicht mehr verlängert bekommen und das dann aber doch bekommen und sich dann sehr freuen, dass sie ihr Studium fortführen können. Es gibt auch viele Leute, die mir nochmal rückmelden: „Ja, ich habe die Prüfung bestanden, bei der ich große Angst hatte" oder die mir sagen: „Ja vielen Dank für das schöne Gespräch. Das hat mir nochmal so ein bisschen Kraft gegeben, weiterzumachen oder tatsächlich an meinen Problemen zu arbeiten." Habe ich immer wieder und es ist auch sehr schön zuzuschauen, dass die Leute trotz der ganzen Schwierigkeiten meistens auch dranbleiben und versuchen, einfach vielleicht neuen Weg zu gehen bis zu ihrem Ziel.

I: Ja klar auch gerade in der Zeit der Corona-Pandemie, wo einiges oder alles online lief, ist wahrscheinlich auch ja mehr Anfragen an die Studienberatung gewesen, ne?

G: Ja, auf jeden Fall.

I: Und vielleicht noch die letzte Frage zu dir: Bist du denn an deinem beruflichen Ziel angekommen oder hast du noch weitere Pläne oder überhaupt, ob du drüber sprechen möchtest?

G: Also ich glaube, ich bin noch lange nicht dort angekommen, wo ich vielleicht eines Tages sein möchte und wo ich eines Tages sein möchte, muss ich aber vielleicht auch noch mit mir selbst vereinbaren und entdecken. Also ich bin gerade auch in der Einstiegsphase meines Berufs, würde ich sagen, also vor vier Jahren fertig geworden, jetzt auch schon als Vollzeit als Studienberaterin, Online-Redakteurin tätig, halb-halb quasi, auch im Bereich Social Media. Ich entdecke also diese drei Bereiche jeden Tag und darf mich über diese drei Bereiche freuen, mir gefällt diese Vielfalt sehr und nichtsdestotrotz bleibt natürlich auch im Hinterkopf der ursprüngliche Traum, mal eines Tages in Ecuador etwas Eigenes, auf die Beine zu stellen, wofür ich eigentlich auch nach Deutschland bin, weil ich ja in Ecuador eigentlich keine Möglichkeit gehabt hätte, diesen Bereich voranzutreiben und darüber nachzudenken, es wird bestimmt Menschen geben, die wie ich sich für den medien-kulturellen Bereich interessieren und vielleicht keine Perspektive in Ecuador sehen und für diese Menschen würde ich eines Tages sehr gerne eine Perspektive auch in Ecuador verschaffen.

I: Also ist das dann irgendwie Richtung Ausbildung oder was wolltest du in Ecuador ins Leben rufen?

G: Ja also eigentlich wollte ich eines Tages so eine Art Kulturzentrum eröffnen. Jetzt ist die Rede oder Idee von einem Kultur- und Medienzentrum für Jugendliche, vielleicht auch schon als Begleitung während der Schule und als außerschulisches Angebot und natürlich auch in der Übergangsphase von Schule zum Studium.

I: Klingt sehr spannend und was das so für Ideen entstehen und dass die dann in fremden Ländern oder in Heimatländern verwirklicht werden, das ist wunderbar. Ja, danke, dass du dabei warst, wie gesagt und deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Vielleicht noch zum Schluss, würdest du, du hast ja schon einiges jetzt implizit oder auch explizit geraten, dass man weitermachen soll und zum Beispiel zur Beratung gehen soll. Vielleicht hast du noch bestimmte Tipps für deine Nachfolger und Nachfolgerinnen?

G: Ja, also erstmal vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Wenn ich zurückblicke auf mein Studium, ich habe mir tatsächlich ziemlich viel Mühe gegeben, immer die Zeiten einzuhalten und die Pläne einzuhalten. Und das war nicht ein Vorteil für mich, muss ich sagen. Also klar, ich war ziemlich früh auch schon mit dem Bachelor und mit dem Master fertig, aber das Studium ist eine schöne Phase, ist also viel mehr als der Abschluss, den man eigentlich erreichen möchte, sondern es geht um diese Phase, in der man sich selbst entdecken und entwickeln kann. Und von daher geht es darum, dass man ausprobiert, ganz viel ausprobiert und wenn das bedeutet, dass man eventuell ein paar Semester länger studiert, ist das aber vielleicht der Aufwand wert, weil man sonst kaum noch eine Möglichkeit bekommen wird im Leben, so viel auszuprobieren an einem Ort so viel zu lernen, so viel mitzubekommen. Von daher würde ich sagen, ja gebt euch ruhig mal die Zeit, euch selbst zu entdecken als Menschen und entwickelt euch mal darin, was ihr dann später werden wollt.

I: Ja, vielen Dank, das ist doch ein sehr schöner Abschluss. Ich habe auch heute eine Menge dazugelernt und vielen Dank, Gabriela.

G: Danke, Irina.

I: Bis dann, Tschüss.

G: Tschüss.

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