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Folge 4 - Van

Herkunftsland und Erstsprache: VietnamVietnamesisch

Studium in Deutschland: Promotionsstudium Deutsch als FremdspracheUniversität Leipzig, Herder-Institut

Publikationsdatum: 09.07.2022Aufnahmedatum: 14.07.2021

Folgende Informationen wurden in der Folge erwähnt, hier finden Sie weiterführende Links dazu:

Transkript:

I: Ich grüße alle ganz herzlich auf eine neue Folge Mein Studienstart in Deutschland. Heute bei mir zu Gast ist eine Doktorandin, sie heißt Van Ho, sie stammt ursprünglich aus Vietnam, aus der Hauptstadt Hanoi und promoviert zurzeit am Herder-Institut der Universität Leipzig im Fach Deutsch als Fremdsprache mit dem Schwerpunkt Linguistik und sie möchte heute mit uns ihre Geschichte und ihre Erfahrungen teilen. Hallo Van!

V: Ja schönen guten Morgen aus Leipzig.

I: Wie geht's?

V: Mir geht's heute ganz gut, obwohl es die ganze Woche dann schon mehrmals geregnet hat.

I: Regnet's jetzt bei dir?

V: Ein bisschen, ja.

I: Bei mir schon, auch genau. Ja als Einstieg, nenne uns bitte uns fünf Schlüsselworte: Was macht denn dein Fach Deutsch als Fremdsprache aus?

V: Ja also die fünf Schlüsselworte, ich würde dann sagen Lernersprache, Korpuslinguistik, Kohäsion, Kohärenz und ja natürlich Deutsch als Fremdsprache, weil das alles hat dann etwas mit meinem Thema zu tun ja.

I: Okay, das waren schon viele spezifische Fachtermini, aber wahrscheinlich hat das auch mit deinem Thema was zu tun. Verrate uns bitte: Zu welchem Thema promovierst du?

V: Also mein Promotionsprojekt ist eine Textanalyse von Abschlussarbeiten von Bachelor- und Masterstudierenden und was ich da analysiere ist dann diese Kohäsion-Kohärenz.

I: Okay, also die Studierenden, die Masterarbeiten schreiben, stammen dann aus Vietnam oder aus Deutschland?

V: Sie sind dann alle Vietnamesische Studierende, also bei uns an meiner Heimathochschule.

I: Okay, dann erzähl uns mal wie bist du überhaupt auf die Promotion gekommen? Also welche Voraussetzungen, mussten damals oder, es ist ja noch nicht lange her, seit September 2020 bis zu da, ne, welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

V: Ich habe mein Bachelor- und Masterstudium in Vietnam gemacht und danach habe ich mich dann um ein Stipendium von DAAD beworben, also für eine Promotion und die Voraussetzungen da sind dann also natürlich ein Exposé, Motivationsschreiben, wie Zusage von einem Betreuer und also Lebenslaufund das alles ist alles (unverständlich 2:45).

I: Okay, und musstest du dann auch sprachliche Voraussetzungen erfüllen? Also irgendeinen Nachweis? Eine Prüfung?

V: Normalerweise ja, aber weil ich schon dann als Deutschlehrerin arbeite und ich habe dann das Bachelor und Master auch auf Deutsch in Germanistik gemacht, war es dann keine Voraussetzung bei mir.

I: Alles klar. Und war das schwierig einen Betreuer oder Betreuerin zu finden?

V: Im Prinzip ja, aber ich hatte dann so großes Glück, weil ich habe meinen Betreuer dann schon vorher kennengelernt, schon vorher gekannt, ja weil mein Betreuer arbeitet am Herder-Institut der Uni Leipzig und also ich arbeite dann an einer Hochschule in Vietnam und zwischen uns gibt es schon eine langzeitige Partnerschaft.

I: Das heißt, meine nächste Frage erübrigt sich: Warum hast du dich für die Universität Leipzig entschieden?

V: Ja, genau.

I: Okay, das war schon so vorherbestimmt so ungefähr, ne? Ja aber erzähl uns doch, warum hast du dich für das Fach Linguistik oder Deutsch als Fremdsprache entschieden im Allgemeinen nach der Schule?

V: Das war eigentlich dann ganz zufällig, also ich würde dann sagen, das ist eine Sache des Schicksals, weil ich habe im Bachelor dann Germanistik, aber in der Fachrichtung Translationen studiert, aber nach dem Studienabschluss, wurde mir dann also angeboten, als Lehrerin, als Dozentin an meiner Hochschule zu arbeiten und ich habe mir gedacht: „Na ja, ich werde das dann also mal probieren, wie es geht."

I: Und dann hat dir das zugesagt?

V: Ja.

I: Schön! Was macht denn ein Promotionsstudium aus in Deutschland? Kann man überhaupt von einem Studium sprechen?

V: Bei mir dann jein, also ich würde dann sagen, das ist kein Studium im traditionellen Sinne und ich denke, es ist auch so in den meisten Geisteswissenschaften, weil also was ich mache ist eigentlich ein Soloprojekt und im Prinzip konnte ich dann sagen, also ich sperre mich dann für vier Jahre ein und schreibe dann meine Doktorarbeit. Das geht auch. Ich habe dann mit anderen Promovenden gesprochen und es ist ein bisschen anders, in den Naturwissenschaften z.B. da arbeitet man dann am meisten in Gruppenprojekten und also das heißt viele tragen dann zu einem Projekt bei, aber bei mir ist dann total alleine.

I: Also das heißt, gibt es Möglichkeiten - Entschuldigung - andere Promovierende zu treffen? Oder war das ein Zufall?

V: Ja, es gibt viele Möglichkeiten, z.B. es gibt dann natürlich alle Promovenden an dem Herder-Institut (unverständlich 5:46 an meiner Institution, ne?) Bei uns hier in Leipzig, ich denke, in anderen Städten auch, gibt es dann so einen Stammtisch für Promovenden und da treffen dann viele Leute aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen und wir gestalten auch eine Art informelles Kolloquium, wo wir dann ein kleines bisschen aus unserer Expertise austauschen.

I: Ach ja, hat das auch stattgefunden jetzt in Corona-Zeit?

V: Ja, also es ist dann online.

I: Online?

V: Es findet dann online statt.

I: Und gibt es auch formelles Kolloquium? Du sagtest informelle eher.

V: Ja also Formelle gibt's dann zahlreiche. Also bei uns am Herder-institut gibt es dann ein großes Kolloquium, sozusagen, für Doktoranden von dem ganzen Institut und es gibt dann auch kleinere Kolloquien von den Professoren selbst für Doktoranden, auch für andere Studierende auch.

I: Okay. Was macht man in so einem Kolloquium?

V: Also wir treffen dann meistens einmal pro Woche und jede Woche trägt dann eine Person über das eigene Projekt vor und bekommt dann Feedbacks und Anregungen und so weiter.

I: Und kannst du uns verraten, so ungefähr, wie viele Promovenden gibt es denn am Herder-Institut, also schätzen?

V: Ich würde dann sagen 15, 10-15?

I: Okay und also, wie ich verstanden habe, du musst gar keine Veranstaltungen mehr besuchen außer ein Kolloquium.

V: Ja, das ist überhaupt kein Muss, aber

I: Aber?

V: Aber, ja

I: Möglich?

V: Es gibt immer ein Aber. Ich finde es auch nützlich, weil es ist eine Art Ablenkung, ne? Gute Ablenkung, weil es hat dann nichts mit meinem Projekt zu tun, aber das ist dann auch noch in einem akademischen Umfeld und es ist eine gute Art Abwechslung, insbesondere in dieser Situation mit dem Lockdown und Alles.

I: Okay, ja, fällt dir etwas schwer jetzt bei deinem Promotionsprojekt? Gibt es so bestimmte Bereiche, weiß ich nicht, Schreiben, Lesen?

V: Ich würde dann sagen, also der Vorteil und auch der Nachteil von so einem Soloprojekt ist dann, man hat total, völlig totale kreative Kontrolle, das heißt, z.B. im Master, ne

I: Was heißt das?

V: Also z.B. im Master, ne, besucht man dann Seminare und da gibt's dann schon einen Stoff-Plan, es gibt dann schon bestimmte Inhalte, an denen man sich richten kann, aber hier, habe ich dann totale Freiheit. Es gibt keine Seminare, es gibt keine Lehrer sozusagen, die mir alles sagen, aber das Gute ist dann, ich kann dann alles, wirklich alles, tun, was ich möchte, aber manchmal gibt's dann so diese Writer's block, wo man dann wirklich keine Ahnung mehr hat, also in welche Richtung man dann weitergehen sollte oder so.

I: Kann man das als Schreibblockade bezeichnen oder ist das eher Denkblockade?

V: Ja, beim Schreiben, beim Überlegen von Ideen, von dem Forschungsdesign, auch bei der Literatursuche manchmal.

I: Und wie sieht es mit der Unterstützung seitens des Professors aus?

V: Ja also mein Betreuer bietet mir dann zahlreiche Unterstützungen und ich würde dann sagen, also in so einem Promotionsstudium sollte man sich dann ganz viel, ganz oft, regelmäßig sich an den Betreuer wenden, nicht nur an den Betreuer, auch an andere Kollegen, Kolleginnen und Kommilitonen.

I: Und das geht ohne Probleme?

V: Ja, auch online, virtuell.

I: Zusammenarbeit mit Kolleg*innen klappt?

V: Mhm. (bejahend)

I: Ja?

V: Es ist ein bisschen komisch, also wenn man sich nur mit anderen Leuten, Kommilitonen nur virtuell trifft, aber, also man gewöhnt sich ganz schnell daran.

I: Ja wir hoffen das Beste. Du bist ja noch ein paar Jahre dabei, oder? Dass man eben bald alle in echt kennenlernt. Ja und was kann man dann mit einem Doktortitel im Bereich Deutsch als Fremdsprache oder Linguistik machen in der Zukunft? Hast du da ein bestimmtes Berufsziel vor Augen?

V: Also ich würde dann zurückkehren und weiter an meiner Heimathochschule arbeiten, also der Stellenwert von einem Doktortitel, würde ich schon sagen, ist dann, mit so einem Doktor könnte ich dann in weiter fortgeschrittenen Fächern unterrichten. Also vorher habe ich dann nur im DaF-Unterricht, also Deutsch als Fremdsprache, und in zwei Seminaren, also als Einführung in die Linguistik unterrichtet, aber

I: Aber nicht Sprachpraxis, oder?

V: Ja, also

I: Auch.

V: Also nach dem Doktorabschluss könnte ich dann in weiteren Fächern unterrichten und auch in dem Masterstudiengang.

I: Heißt das, dass alle, die im Masterstudiengang in Vietnam unterrichten oder an deiner Uni, alle haben einen Doktortitel?

V: Müssen ja. Das ist dann die Voraussetzung für Dozenten im Master.

I: Und man kann auch im Heimatland promovieren, nehme ich an?

V: Ja.

I: Okay, ja sehr spannend, vielen Dank. Hast du vielleicht noch irgendeinen Tipp oder irgendeine Strategie, für deine Nachfolger, dir jetzt sagen: „Oh, ich möchte auch promovieren und eventuell auch am Herder-Institut?"

V: Also ich hätte dann zwei Tipps. Und den Ersten habe ich schon erwähnt, also wenn es dann Möglichkeiten zum Wissensaustausch gibt oder Möglichkeiten, wo man dann Feedbacks und Impulse für die eigene Arbeit gibt, dann bitte, nehmt diese Angebote an. Also es kann dann stressiger werden, weil es gibt dann mehr arbeiten, ne?

I: Okay.

V: Also ich meine, schon in der letzten Woche habe ich zwei Vorträge an zwei unterschiedlichen Orten, aber das sind dann gute Gelegenheiten, wo man dann, also mit den eigenen Erkenntnissen und Befunden dann, also gegenseitig setzen kann, ne?

I: Ja also Interaktion ist alles, sagst du?

V: Ja.

I: Okay.

V: Und der zweite Tipp ist dann die mentale Gesundheit. Also

I: Erzähl!

V: Also man sollte sehr, sehr gute Strategien gegen Stress haben, insbesondere in einem Promotionsstudium, weil es dann recht stressig ist.

I: Hast du denn eine gute Strategie?

V: Ja, ich lebe noch, ich meine, also ganz im Ernst, kann man dann was, wie Yoga machen.

I: Also Sport sagst du.

V: Ja, Sport, Yoga, also etwas, was dann wirklich zur Spannung hilft. Also was ich dann oft mache, ist dann, ich gehe wandern im Park oder an den See.

I: Also in die Natur.

V: Ja und Freunde treffen.

I: Okay.

V: Freunde finden, Freunde machen und treffen.

I: Ja das ist ein guter Abschluss, also jetzt alle Freunde treffen und in die Natur und dann aber ran an die Arbeit. Ja vielen Dank Van. Es hat mich sehr gefreut, mit dir zu sprechen.

V: Hat mich auch gefreut, ja.

I: Dann weiterhin viel Erfolg und bis bald.

V: Danke schön für heute, bis bald Tschüss.

I: Tschüss.

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