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Folge 13 - Alla

Herkunftsland und Erstsprache: RusslandRussisch

Studium in Deutschland: Masterstudium Internationale Beziehungen3 Semester — Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Publikationsdatum: 09.09.2022Aufnahmedatum: 29.09.2021

Folgende Informationen wurden in der Folge erwähnt, hier finden Sie weiterführende Links dazu:

Transkript:

I: Hallo zusammen. In der heutigen Folge des Podcasts „Mein Studienstart in Deutschland" wird es doppelt international. Es geht nämlich um den Studiengang Internationale Beziehungen und bei mir zu Gast ist eine internationale Studierende Alla Petrova. Sie stammt aus Russland ursprünglich und studiert an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, auf Master. Hallo Alla.

A: Hallo Irina.

I: Na, wie geht's dir?

A: Ja, alles gut und wie geht's dir?

I: Ja, auch gut. Du bist jetzt im dritten Semester?

A: Ja, ich habe schon ein Jahr studiert und noch ein Jahr werde ich dann studieren.

I: Okay, also insgesamt vier Semester, ne?

A: Ja.

I: Und du bist uns jetzt aus Eichstätt, also aus Bayern, zugeschaltet, ne?

A: Ja, genau.

I: Bevor wir zu den Einzelheiten von deinem Fach und deiner Erfahrung kommen, nenne uns bitte fünf Schlüsselworte aus deinem Fach, also was macht deinen Studiengang aus?

A: Internationale Organisationen, Völkerrecht, Realismus, Friedensförderung und humanitäre Hilfe.

I: Okay, klingt sehr spannend, also du erläuterst uns sicherlich noch die einzelnen Bereiche. Aber bevor wir dazu kommen, werfen wir einen Blick zurück, wie alles angefangen hat. Erzähl mal, wie bist du zu deinem Studium in Deutschland gekommen?

A: Also während meines Bachelorstudium habe ich ein Austauschsemester in Greifswald, in Deutschland gemacht und ja, das war eine sehr gute Erfahrung, hat mir sehr gefallen und ich habe verstanden, dass ich auch gerne ein Masterprogramm in Deutschland absolvieren möchte. Und ich habe Deutsch ziemlich lang gelernt, also in der Schule, an der Universität und ja ich wollte auch dann mein Deutsch weiter üben und auch in Deutschland ein bisschen mehr wohnen, ja um dieses Land auch besser kennen zu lernen.

I: D.h. es gab eine sprachliche Voraussetzung. Du musst das Deutsch auf einem bestimmten Niveau können, oder?

A: Ja, ich musste dann Deutsch auf Niveau B2 können. Ja und dazu musste man noch einen Bachelorabschluss mit einer bestimmten Note haben und auch entweder bestimmte Zahl von ECTS in bestimmten Fächern, in Politikwissenschaft z.B. oder man hatte dann ein Interview. Also ich musste, aber dieses Interview nicht machen, weil ich hatte diese ECTS und also ich wurde dann ohne Interview für dieses Programm genommen.

I: Also d.h. du hast hier dann eine Prüfung, eine sprachliche Prüfung gemacht oder hattest du schon in Russland dein Zertifikat bekommen?

A: Ich hatte schon in Russland eine Prüfung, TestDaF habe ich gerne geschrieben.

I: Okay. Ja und dann hast dich in Eichstätt beworben oder wie? Wie war das?

A: Ich habe mich für mehrere Universitäten beworben, wo man Masterprogramm Internationale Beziehungen hat, auch in Berlin z.B. oder in Bremen. Ja, aber ich habe dann auch ein Stipendium für bayerische Universitäten, also BayHOST bekommen ja und

I: Interessant.

A: Deswegen ja war meine Recherche ein bisschen näher und ja habe ich mich dann auf Universitäten in Bayern konzentriert und am Ende auch Eichstätt gewählt.

I: Ja. BayHOST, Bayerisches Stipendium, erzähl mal, wie kommt man dazu?

A: Also es ist ein Stipendium für Studierende aus Süd-, Südost- und Osteuropa, ja, die dann in Bayern studieren möchten.

I: Und wie hast du davon erfahren, dass es so was gibt?

A: Im Internet, also ich habe recherchiert.

I: Recherchiert.

A: Ja. Also viele wissen über DAAD. Ja, aber dieses Stipendium ist nicht so populär, aber, ja man soll wissen, dass es auch gibt und dass es auch eine sehr gute Möglichkeit, das Studium in Deutschland zu finanzieren.

I: Ach ja, und wie war die Bewerbung um das Stipendium? War das streng, also die Kriterien oder?

A: Also man musste auch bestimmte Unterlagen vorbereiten, Motivationsschreiben, CV und auch Transcript of Records, dass man auch gute Noten hat und auch Leistungen, wie z.B. für freiwillige Arbeit oder Konferenzen. Ja, aber es gab auch kein Interview dafür. Gewöhnlich gibt es ein, aber in diesem Fach hatte man kein und eigentlich war ich mir auch nicht so sicher, dass ich dieses Stipendium bekomme, also, ja und war dann auch sehr froh, wenn ich erfahren habe.

I: Wie hast du davon erfahren? Per E-Mail?

A: Ja, per E-Mail.

I: Wow.

A: Ja.

I: Die Freude war groß.

A: Ja, genau. Ja.

I: Und dann hast du dich beworben auch in Bayern, also das ist wahrscheinlich die Voraussetzung gewesen, ne, wenn das Stipendium in Bayern ist?

A: Ja, ja genau und dann ich habe mich auch für Erlangen-Nürnberg beworben, aber dort gab es nur Politikwissenschaften, also Politikwissenschaften sind ein bisschen breiter als internationale Beziehungen und ja sie waren für mich nicht so interessant, ja.

I: Okay und so bist du in Eichstätt Ingolstadt gelandet, ne?

A: Ja und (unv.)

I: Du hast sehr... Ja?

A: Und ich finde ja auch sehr froh, dass ich das gewählt habe, ja.

I: D.h. im Nachhinein würdest du nichts anders machen?

A: Nee, ich denke nicht. Das war schon richtige Entscheidung.

I: Ja, du hast internationale Beziehungen ja auch in Russland auf Bachelor studiert, hast du gesagt. Wie kommst du überhaupt auf das Fach? Wann kam der Wünsch?

A: Am Ende meiner Schule würde ich sagen, ja, ich habe verstanden, dass ich mich für internationale Politik interessiere und ich war auch ziemlich gut in Fremdsprachen. In der Schule habe ich Englisch und Deutsch gelernt, ja, und ich hatte auch einen Traum, als Diplomatin oder ja in einer internationalen Organisation zu arbeiten und dann auch internationale Beziehungen zu verbessern.

I: Ja, du hast schon gesagt, du hast Interesse für Politik gehabt und auch Sprachen gekonnt. Sind das dann die Voraussetzungen, beziehungsweise muss man diese Fähigkeiten mitbringen, um internationale Beziehungen studieren zu können?

A: Also ganz am Anfang, also man braucht keine Kenntnisse, ja, aber ja muss man bestimmt sich dafür interessieren. Ja und Fremdsprachenkenntnisse sind wichtig, Ja, also für mein Studium, für Bachelorstudium musste man schon Englisch auf Niveau B2, würde ich sagen, können, ja. Eigentlich, wenn man sehr viel Interesse hat, dann, denke ich, kann man dieses Fach studieren, dieses Fach ist bestimmt sehr spannend.

I: Okay und ist irgendeine Fremdsprache auch, oder auch Englisch, Bestandteil des Studiums?

A: Ja.

I: Ja? Muss man weiter dann, weiß ich nicht, einen Sprachkurs besuchen oder?

A: Also ja man hat dann einen Sprachkurs und hat auch spezifische, lernt auch spezifische Begriffe auf Englisch, dieses Fach, ja.

I: Ja dann erzähl mal, welche Inhalte gibt es noch außer Englisch in deinem Studiengang?

A: Es gibt also noch internationale Politik, internationale Wirtschaft, Völkerrecht, Security Studies, Theorien der internationalen Beziehungen und auch Geschichte der internationalen Beziehungen.

I: Was ist dein Lieblingsbereich?

A: Also ich interessiere mich sehr für internationale Politik und auch Security Studies, z.B. das war letztes Sommersemester hatten wir ein Seminar Security Studies und dort mussten wir policy recommendations für Vereinte Nationen machen. Also ich habe eine Krise in Jemen gewählt und musste dann, ja den Vereinten Nationen helfen, diese Krise zu lösen. Das war sehr spannend.

I: Wow.

A: Ja.

I: Und gibt es Bereiche, die dir noch schwerfallen oder die du nicht magst?

A: Also ich, hier hatte ich z.B. ein Modul Verfassungsstaatlichkeit und dort gab es viele juristische Begriffe, die ich ja früher nicht kannte und musste dann zuerst übersetzen auf Russisch und dann ja verstehen, was man damit meint, weil ja ich hatte dann nicht so viel Erfahrung in Jura ja, das war schwierig für mich.

I: Ja du hast schon ein bisschen aus dem Studium auch erzählt. Die Veranstaltungsform, du hast gesagt, es gab ein Seminar. Wie sieht es aus, welche Veranstaltungsformen gibt es noch?

A: Also es gibt noch ja Vorlesungen und Übungen und ich mache auch ein Zusatzstudium Nachhaltige Entwicklung und dort gab es auch ein Projektseminar.

I: Nachhaltige Entwicklung machst du noch.

A: Ja.

I: Was heißt Zusatzstudium? Ist es ein Nebenfach?

A: Ja, dieses Fach ist für alle Studierende hier an der KU frei. Man kann das belegen und das ist einfach zusätzliche 20 ECTS und dann hast du ja ein Zertifikat für dieses Zusatzstudium Nachhaltige Entwicklung, ja.

I: Okay. Also bevor wir weiter über die Inhalte des Studiums sprechen, ich vergesse sonst diese Frage, Katholische Universität, ne, das interessiert mich auch schon immer: Was sind die Unterschiede zwischen einer normalen Universität, einer staatlichen Universität und einer katholischen? Gibt es die überhaupt, merkt man die?

A: Also ich persönlich merke sie nicht. Also für mich ist es ganz normale Uni, offen für alle Studierende unabhängig davon, ob sie religiös sind oder nicht.

I: Und gibt es auch so, welche Bereiche gibt es noch? Also gibt es internationale Beziehungen, Politik. Ich nehme an, Theologie muss es auch geben.

A: Ja, ja, Theologie, Soziologie, Pädagogik, Wirtschaft ja, es gibt viele, viele Bereiche.

I: Also breit aufgestellt.

A: Ja.

I: Okay, danke dir. Dann gehen wir zurück nochmal zu deinem Fach. Genau, Übungen, Seminare, Projektarbeit hattest du. Musst du auch viel lesen oder schreiben?

A: Also ich würde nicht sagen, dass man viel lesen muss. Man muss schon lesen, aber ich denke nicht, dass es viel ist. Man muss ziemlich viel schreiben, viele Hausarbeiten, also die häufigste Prüfungsleistung ist Hausarbeit, dass ein bisschen ungewöhnlich für mich war, weil in Russland hatte ich mehr Prüfungen und Klausuren und hier, ja schreibt man eher Hausarbeiten. Also ich hatte nur eine Prüfung und dann, ja, aber fünf Hausarbeiten geschrieben, denke ich.

I: Jetzt in einem Jahr schon fünf Hausarbeiten?

A: Ja.

I: Wow, okay, aller Achtung! Und gibt es noch Unterschiede zum Bachelorstudium in Russland?

A: Also hier ist das Studium viel flexibler als in Russland. Hier kannst du selbst deinen Studienplan organisieren und ja, du bekommst keinen fertigen Studienplan, ja und kannst du auch

I: Es gibt schon Pflichtveranstaltungen?

A: Ja, ja es gibt, aber es gibt auch Wahlpflichtbereich und auch Wahlbereich. Dort gibt es auch viele Möglichkeiten bestimmte Module zu wählen, die denke ich, am meisten interessieren.

I: Was die Veranstaltungen angeht, so Seminare oder so, merkst du da Unterschiede?

A: Es ist ein bisschen jetzt schwierig zu sagen, weil ja mein ganzes Studienjahr hier in Deutschland digital war.

I: Kennst du deine Dozenten oder Professoren auch mal? Hast du die mal in echt gesehen?

A: Professoren nicht, leider noch nicht, ja es ist

I: Wie motiviert man sich dann?

A: Na ja, man interessiert sich für den Bereich, für die Inhalte der Seminare und ja man versteht es. Es wird auch besser, die Situation wird sich verbessern, dann kommt man

I: Genau.

A: zurück zur Realität. Genau.

I: Ich glaube auch dieses, dass man nicht allein betroffen ist, sondern die ganze Welt, das beruhigt einen. Beruhigt nicht, aber das gibt keinen anderen, keine Alternative.

A: Ja, genau. Das auch.

I: Musst du auch ein Praktikum absolvieren? Gibt es so was wie Pflichtpraktika?

A: Ja, ich muss ein sechswöchiges Praktikum absolvieren, aber es ist also eine alte Prüfungsordnung, ich denke, aktuell ist es schon acht Wochen, achtwöchiges Praktikum.

I: Und wo soll dieses Praktikum dann abgehalten werden? In einem Unternehmen?

A: Also es gibt viele Möglichkeiten, wo man das Praktikum machen kann, ja in einer internationalen Organisation, Behörde, Forschungsinstitut, NGO, also es ist, ich denke, ziemlich breit und ja die Hauptsache ist, dass dieser Ort mit internationalen Beziehungen verbunden ist.

I: Okay. Und das muss man selbst dann organisieren?

A: Ja, genau.

I: Also man sucht einfach dann oder gibt es eine Unterstützung von seitens der Uni?

A: Ja, es gibt eine Karriereberatung und auch ein Karrierecenter.

I: Service, Center.

A: Ja, die dann machen unterschiedliche Veranstaltungen für, ja Bewerbungsunterlagen und Interviews. Ja und die können dann auch die Unterlagen checken, also man kann zum Beispiel ein Motivationsschreiben ihnen schicken und dann bekommt man Anmerkungen, wie man das Motivationsschreiben verbessern kann, ja.

I: Ja, gibt es auch Unterstützung von der Fachschaft oder von Studierenden, die schon in höheren Semestern sind? Oder hattest du da Kontakt jetzt in der digitalen Zeit?

A: Also es gibt ein Netzwerk MIBPlus und dort gab´s zwei Veranstaltungen, ja, aber sie waren digital und dort hatten die Studierenden aus höheren Semestern ein bisschen, also ja unsere Fragen beantwortet, aber so ein Begriff als Fachschaft, so eine Gruppe, separate Gruppe von Studierenden, die dann ja international Beziehungen studiert haben und dann hier an der Uni helfen, gibt es nicht. Also es gibt Fachschaft bei Politikwissenschaften, da ist es schon breiter.

I: Okay und konntest du jetzt im digitalen Semester oder Jahr auch deine Kommiliton:innen kennenlernen?

A: Ja, ja, also mit Hilfe der WhatsApp-Gruppe habe ich ein paar Kommiliton:innen kennengelernt, auch wenn es hier Lockdown war. Ja, wir sind auch zusammen, zu zweit spazieren gegangen und haben auch gekocht und im Sommer, wenn es schon ein bisschen lockerer war, ja habe ich auch mehr Leute aus meiner Gruppe kennengelernt. Wir waren dann in einer Bar, hatten einen Spielabend, haben auch Fußball zusammen geschaut und ja eine Kanufahrt gemacht, sogar hier in Altmühl. Ja, war sehr schön.

I: Und arbeitet man dann auch in Gruppen oder bist du eher alleine durch dieses Jahr gegangen?

A: Also man arbeitet auch in Gruppen, in Seminaren geben dann Professoren auch Aufgaben, die man in Gruppen macht. Ja also

I: Und die Hausarbeiten z.B. hast du die allein geschrieben?

A: Ja, hier bevorzuge ich dann allein zu arbeiten.

I: Und warum?

A: Also ich denke, ich bin daran gewöhnt und ja, das ist für mich bequemer ja, ich bin tatsächlich konzentrierter.

I: Okay.

A: Ja.

I: Und hast du schon eine konkrete Vorstellung, was du beruflich nach dem Master machen möchtest?

A: Also ich würde sehr gerne in einer internationalen Organisation im Bereich Menschenrechte, internationale Beziehungen arbeiten. Ja, so mein höherer Traum, denke ich, es ist Vereinte Nationen, ja. Aber ja, für Anfang vielleicht auch OSZE und ja solche Organisationen, das wäre sehr schön ja.

I: Ganz spannend, da kann man ja auch ein Einsatz irgendwo in der Welt haben, ne?

A: Ja, ja genau, das klingt sehr spannend.

I: Und welche Berufsaussichten bietet das Fach noch? Wo kann man noch tätig werden außer internationale Organisationen?

A: Auch in Behörden, Medien, NGOs, Forschungseinrichtungen und ja, ziemlich viele Möglichkeiten, wo man dann arbeiten kann. Alles hängt von dem Interesse ab.

I: Ja, ja vielen Dank, dass du so alles mit uns geteilt hast, deine Erfahrung. Vielleicht noch zum Schluss: Hast du für deine Nachfolger, die eventuell das auch studieren möchten, einen Tipp oder eine Empfehlung?

A: Also ich würde sagen, dass man sich immer bewerben muss. Man denkt: „Okay, vielleicht passe ich nicht so gut oder bin nicht gut genug." Ja, ich denke, man muss an sich glauben und ja einfach probieren. Man verliert nichts, wenn man probiert, aber dann hat man eine Chance ja

I: genutzt?

A: Ja genau, ein Stipendium zu bekommen oder, ja etwas Spannendes zu studieren, ja, also an sich glauben.

I: Okay, ein sehr schöner Abschluss. Ja vielen Dank, Alla, dass du da warst.

A: Danke Irina.

I: Und alles Gute für deine Zukunft.

A: Danke.

I: Tschüss.

A: Tschüss.

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